Freitag, 20. November 2009

Was ist die Umsatzsteuer ?

Die Umsatzsteuer ( in Deutschland auch umgangssprachlich Mehrwertsteuer ), ist eine Steuer, die den Umsatz von Gütern und Dienstleistungen belastet, wenn ein Verbraucher diese in Anspruch nimmt. Die Umsatzsteuer wird im Prinzip auf alle Umsätze erhoben. Es gibt aber Ausnahmen.

Wie berechnet sich die Umsatzsteuer ?
Ein einfaches Beispiel: Eine Frau kauft in einem Kaufhaus ein Kleid für 119 Euro. In diesem Preis sind 19 % Umsatzsteuer enthalten. Die Umsatzsteuer ist aus dem Verkaufspreis heraus zu rechnen, sie wird nicht aufgeschlagen. Bei einem Steuersatz von 19 % ergibt sich eine Umsatzsteuer von 19 Euro (19/119 von 119 Euro). Der so genannte Nettobetrag (Entgelt) liegt bei 100 Euro.

Wie hoch sind die Steuersätze ?
Nach den allgemeinen Regelungen des Umsatzsteuergesetzes gibt es zwei Steuersätze. Zum einen den Regelsteuersatz von 19 %, dem die meisten Umsätze unterliegen. Zum anderen den ermäßigten Steuersatz von 7 %; ihm unterliegen unter anderem fast alle Lieferungen von Lebensmitteln (ausgenommen: die meisten Getränke und Umsätze in Gaststätten), Bücher und Zeitungen, Umsätze im kulturellen Bereich (Theater, Kino) und der öffentliche Nahverkehr.

Daneben gibt es für bestimmte Berufsgruppen gesonderte Durchschnittssätze, zum Beispiel für Land- und Forstwirte.

Wie funktioniert das Umsatzsteuersystem ?
Das Umsatzsteuersystem ist gekennzeichnet durch zwei Elemente:
- die Ausgangsumsatzsteuer und
- die Vorsteuer.

Die Ausgangsumsatzsteuer
Das ist die Umsatzsteuer, die vom Unternehmer an das Finanzamt zu zahlen ist. Grundlage sind die Umsätze (Verkäufe) des Unternehmers.

Die Vorsteuer
Das ist die Umsatzsteuer, die ein Unternehmer beim Bezug von Waren und Dienstleistungen an andere Unternehmer zahlt. Sie wird in der Regel vom Finanzamt erstattet.

Beispiel: Ein Elektrohändler hat in einem Jahr Radios für 92.800 Euro gekauft und für 116.000 Euro verkauft. Der Steuersatz der Umsatzsteuer beträgt seit 01.01.2007 19 % vorher 16%. Die Ausgangsumsatzsteuer ist aus den Verkaufserlösen heraus zu rechnen: 19/119 von 116.000 Euro = 18.521 Euro. Die Vorsteuer berechnet sich analog aus den Einkaufspreisen: 19/119 von 92.800 Euro = 14.816 Euro. Der Elektrohändler kann in seiner Umsatzsteuererklärung die Ausgangsumsatzsteuer und die Vorsteuer miteinander verrechnen. Die sich daraus ergebende Differenz von 3.704 Euro (18.521 Euro minus 14.816 Euro) muss er an das Finanzamt zahlen.

Was ist der Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Mehrwertsteuer ?
Beispiel Elektrohändler: Der Mehrwert, den der Elektrohändler schafft, ergibt sich aus Verkaufserlös (116.000 Euro) minus Einkaufspreis (92.800 Euro) = 23.200 Euro. Die Steuerlast auf den Mehrwert berechnet sich: 19/119 von 23.200 Euro = 3.704 Euro.

Welche Steuererklärungen sind abzugeben ?
Der Unternehmer hat für den jeweiligen Voranmeldungszeitraum eine Umsatzsteuererklärung abzugeben. Nach Ablauf des Kalenderjahrs muss er eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung abgeben, in der er alle Ausgangsumsatzsteuer- und Vorsteuerbeträge des vorangegangenen Jahres auflistet.

Bei der Umsatzsteuer gelten die Steuererklärungen als Steueranmeldungen. Das bedeutet: Der Unternehmer hat darin die Steuer selbst zu berechnen. Zudem steht die Abgabe einer Steueranmeldung einer Steuerfestsetzung unter dem Vorbehalt der Nachprüfung gleich. Sobald die Steueranmeldung beim Finanzamt eingegangen ist, gilt sie als Steuerfestsetzung, unter dem Vorbehalt der Nachprüfung.

Die Steuerbeträge, die der Unternehmer selbst berechnet hat, muss er an das Finanzamt abführen bzw. er bekommt sie vom Finanzamt erstattet, ohne dass in der Regel ein gesonderter Steuerbescheid erteilt wird. Vorsteuerüberschüsse (die Vorsteuer übersteigt die Ausgangsumsatzsteuer) werden aber nur erstattet, wenn das Finanzamt zustimmt.

Wann sind die Steuererklärungen abzugeben ?
Die Umsatzsteuer-Jahreserklärung ist in der Regel bis zum 31. Mai des folgenden Jahres abzugeben. Umsatzsteuervoranmeldungen sind grundsätzlich nach Ende jedes Kalendervierteljahrs abzugeben.

Beträgt die Umsatzsteuer des gesamten Vorjahrs jedoch mehr als 6.136 Euro, müssen die Umsatzsteuer-Voranmeldungen nach jedem Kalendermonat abgegeben werden.

Beträgt die Umsatzsteuer des Vorjahrs weniger als 512 Euro, kann das Finanzamt den Unternehmer von der Abgabe von Voranmeldungen befreien. Dann ist lediglich eine Umsatzsteuer-Jahreserklärung abzugeben.

Ergibt sich für das vorangegangene Kalenderjahr ein Vorsteuerüberschuss von mehr als 6.136 Euro, kann der Unternehmer wählen: Anstelle des Kalendervierteljahrs kann er sich für den Kalendermonat als Voranmeldungszeitraum entscheiden, um Vorsteuerüberschüsse früher erstattet zu bekommen. Diese Entscheidung ist dann für das ganze Kalenderjahr bindend.

Beginnt der Unternehmer seine berufliche oder gewerbliche Tätigkeit neu, ist der Voranmeldungszeitraum im laufenden und dem folgenden Kalenderjahr stets der Kalendermonat.

Die Voranmeldungen müssen spätestens am 10. Tag nach Ende des jeweiligen Voranmeldungszeitraums beim Finanzamt eingehen.

Wie sind die Umsatzsteuer-Voranmeldungen zu übermitteln ?
Von 2005 an müssen Umsatzsteuer-Voranmeldungen von Unternehmern elektronisch an das Finanzamt übermittelt werden (§ 18 Abs. 1 Satz 1 UStG).

Wer als Unternehmer seine Umsatzsteuer-Voranmeldung bislang auf dem Papier-Vordruck abgegeben hat, kann für die Übermittlung die kostenlose Software der Finanzverwaltung nutzen, die seit Mitte Januar 2006 im Internet unter www.elsterformular.de zum Herunterladen bereit steht. Bei den Finanzämtern gibt es von Februar an auch eine CD-Rom mit Elster-Software. Das Programm verschlüsselt die Daten mit Hilfe modernster Technik. Die Daten können aber auch mit entsprechenden kommerziellen Steuersoftware-Produkten übermittelt werden.

Unternehmer können beantragen, die Daten weiter per Brief oder Fax zu übermitteln, wenn sie zum Beispiel keinen Computer mit Internetanschluss haben. Es gilt außerdem eine Übergangsregelung: Bei Voranmeldungszeiträumen, die bis zum 31. März 2005 laufen, wird nicht beanstandet, wenn die Umsatzsteuervoranmeldungen weiter in herkömmlicher Form erfolgt. Vordrucke werden nicht mehr versandt.

Wie ist die Umsatzsteuer-Jahreserklärung zu übermitteln ?
Für die Umsatzsteuer-Jahreserklärung gilt: Sie ist weiterhin auf einem amtlich vorgeschriebenen Vordruck beim Finanzamt abzugeben. Allerdings kann sie unter bestimmten Voraussetzungen auch elektronisch übermittelt werden, zum Beispiel mit dem so genannten Elster-Verfahren.

Die Umsatzsteuer-Jahreserklärung wird mit Hilfe des Steuerprogramms ausgefüllt und elektronisch dem Finanzamt übermittelt. Nach erfolgreicher Datenübermittlung druckt der Unternehmer die so genannte “Komprimierte Steuererklärung” aus. Diese unterschreibt er und schickt sie mit den Belegen ans Finanzamt.
Achtung: Eine rechtlich wirksame Übermittlung der Umsatzsteuer-Jahreserklärung per Fax ist nicht möglich, weil für sie das Gesetz eine eigenhändige Unterschrift vorschreibt.

Wo gibt es die entsprechenden Steuerprogramme
Weitere Informationen bei
www.elster.de
www.elsterformular.de
Elektronische Steuererklärung

Was ist die Kleinunternehmerregelung ?
Für Unternehmer mit geringen Umsätzen gibt es eine Sonderregelung in § 19 des Umsatzsteuergesetzes. Danach wird von Kleinunternehmern keine Umsatzsteuer erhoben, es gibt auch keinen Vorsteuerabzug. Das bedeutet, dass Kleinunternehmer auch keine Rechnungen mit gesondertem Umsatzsteuerausweis ausstellen dürfen. Erteilen sie dennoch solche Rechnungen, müssen sie die unberechtigt ausgewiesene Umsatzsteuer an das Finanzamt zahlen. Der Leistungsempfänger kann diese Steuer aber dennoch nicht als Vorsteuer geltend machen kann (siehe Frage 15).

Die Kleinunternehmerregelung gilt, wenn der Gesamtumsatz des Unternehmers einschließlich Umsatzsteuer im vorangegangen Kalenderjahr 17.500 Euro (bis einschließlich 2002: 16.620 Euro) nicht überschritten hat und im laufenden Kalenderjahr 50.000 Euro voraussichtlich nicht übersteigen wird. Nimmt der Unternehmer seine Tätigkeit in einem Kalenderjahr neu auf, ist der voraussichtliche Umsatz entscheidend.

Ein Unternehmer, der die genannten Voraussetzungen erfüllt, kann aber auf die Anwendung der Kleinunternehmerregelung verzichten. Er muss dies gegenüber dem Finanzamt erklären. Es wird dann die so genannte Regelbesteuerung angewendet, also die normale Erhebung von Ausgangsumsatzsteuer und Vorsteuerabzug. Vor allem bei hohen Vorsteuerüberschüssen kann dies von Vorteil sein.
Wählt ein Kleinunternehmer die Regelbesteuerung, ist er daran fünf Jahre gebunden.

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