Freitag, 16. Mai 2014

Kostenrechnung: wofür?

Das wesentliche Merkmal ist, dass die Kostenrechnung eine Schwäche der Buchhaltung beseitigt:

Die Buchhaltung zeigt am Monats- und Jahresende auf, wie viel Gewinn oder Verlust entstanden ist, aber nicht, durch welche Produkte und Dienstleistungen der Erfolg zustande kam. Aber genau das wäre wichtig zu wissen, vielleicht hätte der Gewinn noch höher ausfallen können, wenn man manche Produkte nicht mehr oder auch mehr davon verkauft hätte. Oder, wenn ein Verlust vorliegt, dann könnte man dessen Ursachen besser analysieren.

Eine Bäckerei zum Beispiel kann am Jahresende aus der Buchhaltung ersehen, dass Mehl im Wert von 10.000 Euro, Zucker im Wert von 5.000 Euro und Eier im Wert von 3.000 Euro verbraucht und 20.000 Euro an Löhnen gezahlt wurden, insgesamt also ein Aufwand von 38.000 Euro entstanden ist. Außerdem kann der Umsatz von 42.000 Euro abgelesen und so der Gewinn von 4.000 Euro ermittelt werden. Aber dann sollte man mit diesen Zahlen auch etwas anfangen können.

Der Gewinn ist erfreulich, aber vielleicht haben die Brezeln zum Gewinn beigetragen, während das Vollkornbrot mit Verlust verkauft wurde? Womöglich hätte man auf die verlustträchtige Sahnetorte verzichten und besser Pflaumenkuchen backen sollen, weil sich dieser mit einer höheren Gewinnmarge verkaufen lässt? Solche Informationen liefert die Buchhaltung jedoch nicht, wohl aber die Kostenrechnung. Sie kann auch noch mehr, aber die Beurteilung der Ertragskraft einzelner Produkte und Dienstleistungen ist eine Kernaufgabe der Kostenrechnung.

Gleiches gilt für Dienstleistungen. Ein Softwarehaus ersieht aus der Buchhaltung einen Umsatz von 500.000 Euro bei 400.000 Euro Lohnaufwand und 60.000 Euro Abschreibungen und ist erfreut über den Gewinn von 40.000 Euro. Womöglich aber war eines der fünf Softwareprojekte defizitär und nur die anderen vier Aufträge haben zum Erfolg beigetragen. Sehr ärgerlich, wenn man das nicht weiß. Noch schlimmer ist es, wenn insgesamt ein Jahresverlust erwirtschaftet wurde und dann nicht ersichtlich wird, worin genau das Problem besteht.

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Rechnungswesen für Startups: Kostenrechnung

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